Wenn Physiker Archäologen brauchen

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Da gibt's einen Satz, von dem ich nie gedacht hätte, dass ich ihn mal lesen würde: „Teilchenphysiker haben 2.000 Jahre altes römisches Blei eingeschmolzen, um den kältesten Kubikmeter im bekannten Universum abzuschirmen."

Vor der Küste Sardiniens ist vor etwa zweitausend Jahren ein römisches Handelsschiff gesunken – mit über tausend Bleibarren an Bord. Taucher fanden das Wrack 1988. Archäologen verfolgten das Blei zurück zu Minen in Spanien. Standardkram.

Dann kamen die Physiker.

Tief unter den italienischen Bergen baute ein Team CUORE – ein Teilchenphysik-Experiment, das nach einem Ereignis sucht, das so selten ist, dass es vielleicht gar nicht existiert. Die Detektoren müssen gegen jede erdenkliche Strahlungsquelle abgeschirmt werden. Blei ist perfekt dafür – nur blöd, dass modernes Blei selbst leicht radioaktiv ist. Ein bestimmtes Isotop, Blei-210, braucht Jahrhunderte, um vollständig zu zerfallen.

Römisches Blei hatte 2.000 Jahre Zeit. Es ist sauber. Und dass es die ganze Zeit unter Wasser lag, war ein Bonus – das Meer schirmte es vor kosmischen Strahlen ab.

Die Physiker boten den klammen Archäologen Geld für etwa 10 Prozent der Barren. Der leitende Archäologe nannte die Entscheidung „schmerzhaft". Wenn man ein 2.000 Jahre altes Artefakt einschmilzt, ist es für immer weg.

Sie schmolzen 120 Barren zu einem Schutzschild ein. Das Experiment lief jahrelang. Noch keine Entdeckung – aber sie rüsten auf und das römische Blei bleibt.

Was mich daran so fasziniert, ist die schiere Unwahrscheinlichkeit. Ein römischer Händler lädt Blei auf ein Schiff. Es sinkt. Zweitausend Jahre später helfen diese Barren uns dabei, fundamentale Fragen zu stellen, warum Materie überhaupt existiert. Niemand hat das geplant. Niemand hätte das planen können. Archäologie und Teilchenphysik – zwei Bereiche ohne jede Gemeinsamkeit – prallen aufeinander, wegen einer Eigenart des radioaktiven Zerfalls und purem Glück.

Manchmal sind die wichtigsten Entdeckungen die, die auf dem Meeresgrund liegen und warten.

Basierend auf diesem SciShow-Video.

Sources