Solarmodule im Überfluss — und wir nennen sie zu hässlich

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Gerade ist Energie wieder teuer. Die Iran-Krise hat die Strompreise nach oben gerissen, am Golf wird mit der Straße von Hormuz gepokert, und auf der Stromrechnung spürt man es sofort.

Und ausgerechnet jetzt stehen die Fabriken still, die das Gegenmittel bauen.

Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze hat das gerade in der Financial Times auf den Punkt gebracht: Wir leben in einer Welt mit einem Überschuss an Solarmodulen. Lass das mal sacken.

China kann inzwischen rund 1.000 Gigawatt Solarmodule pro Jahr produzieren — mehr, als die ganze Welt verbauen kann. Über 40 chinesische Hersteller sind pleite, geschluckt oder von der Börse genommen worden. Die Module waren noch nie so billig. Saubere Energie im Überfluss — und die Welt zuckt nur mit den Schultern.

Lieber zu viel als zu wenig

Mich stört diese Überproduktion ehrlich gesagt am wenigsten. Für die chinesischen Hersteller ist sie bitter, klar. Aber ich habe lieber zu viele Module zu Spottpreisen als zu wenige zu Mondpreisen.

Dass China da nicht ganz sauber gespielt hat, muss man trotzdem sagen. Ohne massive — und vermutlich teils illegale — Subventionen wäre diese Industrie nie so schnell so groß geworden. Nur: Am Ergebnis ändert das nichts. Die Module sind da, sie funktionieren, und sie sind billig.

Europa hat es einfach verpennt

Was mich wirklich ärgert, ist nicht China. Es ist, dass wir es haben sterben lassen.

Deutschland hatte die Solarindustrie. Q-Cells, Solarworld — das waren mal Weltmarktführer. Und dann hat man die Förderung nicht behutsam an die fallenden Preise angepasst, sondern abrupt zusammengestrichen. Statt sanft runterzuregeln hat man den Stecker gezogen.

Das Ergebnis: Reihenweise Pleiten, das Know-how gratis nach China verschenkt. Wenn ich daran denke, was da unter Merkel passiert ist, würde ich am liebsten jemandem in den Hintern treten.

Heißt das, Europa soll jetzt nicht subventionieren? Im Gegenteil. China hat es getan — dann ist es nur gerecht, wenn Europa es auch tut und versucht, wieder eine eigene Produktion aufzubauen.

Man darf sich nur nichts vormachen: Das Modul selbst ist nur ein Bruchteil der Kosten einer fertigen Anlage. Wechselrichter, Montage, Handwerker, Bürokratie — da steckt das meiste Geld. Eine eigene Modulfabrik allein macht uns noch nicht unabhängig. Aber sich für alles ewig auf China zu verlassen, ist eben auch keine Strategie. Es ist einfach dumm, dass wir das verschlafen haben.

Der eigentliche Elefant: zu schön für Sonne

Und jetzt zum Teil, der mich in Südtirol am meisten aufregt.

Wir haben hier die billigste saubere Energie der Menschheitsgeschichte praktisch zum Greifen — und sagen: nein danke, zu hässlich.

Genehmigung für eine Anlage? Verweigert. Windräder? Abgelehnt. Freiflächen-Photovoltaik? Verboten. Alles im Namen der Schönheit unserer Landschaft.

Die Logik dahinter ist atemberaubend: Unsere Berge müssen unberührt bleiben — aber irgendwo anders auf der Welt, wo es angeblich nicht so schön ist, dürfen die Felder ruhig voller Module liegen. Sauberer Strom, ja gerne, aber bitte außer Sichtweite.

Das ist der Elefant im Raum. Nicht China, nicht die Überproduktion, nicht einmal Merkel. Sondern die Heuchelei, die Energiewende zu fordern und gleichzeitig jedes Panel zu verhindern, das man von der eigenen Terrasse aus sehen könnte.

Das billigste Wunder der Welt

Solarmodule sind kein Stück Blech wie Stahl oder Zement. Sie machen uns zu Bauern der Sonne. Ein halbes Jahrhundert Forschung steckt darin, und das Ergebnis kostet heute fast nichts.

2026 ist das Jahr, in dem wir „mehr als genug" davon hatten. Und das Einzige, was uns dazu eingefallen ist, war: wegschauen — weil es uns zu billig, zu chinesisch oder zu hässlich war.


Quelle: Adam Tooze, „Wasting China's solar panel surplus is madness", Financial Times, Juni 2026.