Ich hatte nie einen richtigen Job

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Ich hatte nie einen richtigen Angestelltenjob. Nie. Kein einziges Mal in meinem Leben stand ich irgendwo hinter einer Theke, hat mir ein Chef gesagt wann Schicht ist, habe ich eine Lohnabrechnung bekommen.

Das klingt vielleicht dramatisch, ist es aber nicht. Ich war Student, dann Landwirt. Auf dem Hof habe ich am Anfang gemacht, was mein Vater und mein Großonkel mir gesagt haben, und irgendwann habe ich es einfach selber gewusst. Und nebenbei habe ich angefangen, Software zu entwickeln. Für mich, nicht für einen Arbeitgeber. Am Computer mache ich alles selber — das ist nichts, was ich für jemand anderen tun möchte.

Das eine Mal, das dem am nächsten kam, war ein Praktikum bei einem Computergeschäft in Sterzing. Ein halbes Jahr, vielleicht ein Jahr, während eines EDV-Kurses in Brixen. Ich war meistens hinten in der Werkstatt, habe Computer zusammengebaut und repariert. Nicht im Verkauf, sondern im technischen Bereich. Es war nicht schlecht. Es war sogar interessant, jeden Tag andere Leute zu sehen. Aber es war eben ein Praktikum, kein richtiger Job.

Was mir auffällt: Ich rede eigentlich nie darüber. Es ist nicht so, als hätte ich keinen Job — ich habe einen. Ich arbeite. Aber ich war nie Angestellter. Und manchmal frage ich mich, was mir da entgangen ist.

Die meisten Leute, die ich kenne, haben als Jugendliche in den Sommermonaten irgendwo gearbeitet. Bei einem Gasthaus, in einem Hotel, in irgendeinem Betrieb. Das gehörte einfach dazu. Bei mir nicht. Und ich sehe das schon als eine kleine Lücke. Nicht als Versagen, aber als etwas, das ich nie erlebt habe und das andere alle kennen.

Was mich interessiert, ist überraschend: nicht die IT. Am Computer arbeite ich für mich. Was mich reizt, ist eher Tourismus. Kellner. Oder einfach irgendetwas Handfestes — bei IKEA arbeiten, bei McDonald's, irgendwo wo ich keine Vorkenntnisse brauche und einfach reinschnuppern kann. Ich will sehen, wie das ist. Wie die Struktur funktioniert. Wie die Kollegen miteinander umgehen. Wie es sich anfühlt, wenn man morgens hingeht und abends nach Hause kommt und die Arbeit hinter sich lässt.

Vielleicht nicht einen ganzen Sommer. Aber ein paar Wochen, als Aushilfe. Einfach um zu lernen und zu sehen, wie die anderen arbeiten. Der Wunsch ist relativ neu, aber er ist da.

Das einzige Problem ist die Sprache. In Südtirol kann man fast überall Deutsch reden, außer in Bozen. Und ausgerechnet in Bozen sind die großen Läden — Media Markt und so — wo fast alle Italienisch sprechen. Wenn ich dort arbeiten wollte, müsste mein Italienisch besser sein. Wahrscheinlich müsste ich nach Österreich gehen, wenn ich das wirklich machen will.

Aber ich will es machen. Irgendwann. Einfach um zu wissen, wie sich das anfühlt — Teil eines Teams zu sein, in dem nicht ich der Chef bin.