Es gibt Dinge, die man nicht laut sagen darf. Dass man den Film langweilig fand, den alle lieben. Dass man Kinder manchmal anstrengend findet. Und: dass man lieber alleine schläft.
Ich schlafe gerne alleine. Eigenes Bett, eigener Rhythmus, eigene Decke. Keine Ellbogen im Gesicht um drei Uhr morgens. Kein Schnarchen. Kein "Kannst du bitte aufhören, dich zu bewegen." Einfach Ruhe.
Und jetzt kommt der Teil, wo alle denken: Ja, aber wenn du mal jemanden hast, dann willst du doch zusammen schlafen. Nein. Will ich nicht. Die acht Stunden gehören mir.
Das Lustige ist: Paare, die getrennt schlafen, trauen sich oft nicht, das zuzugeben. Als wäre es ein Zeichen, dass die Beziehung kaputt ist. Dabei ist es genau das Gegenteil. Zwei Menschen, die sich gut genug kennen, um zu wissen, dass Liebe nicht bedeutet, sich gegenseitig den Schlaf zu ruinieren — das klingt ziemlich erwachsen.
Die Zahlen sagen das auch. Laut einer Studie der American Academy of Sleep Medicine aus dem Jahr 2025 schlafen 31 Prozent der US-Erwachsenen in einem getrennten Bett oder Zimmer. Bei den 35- bis 44-Jährigen sind es sogar 39 Prozent. Und fast die Hälfte der Befragten einer anderen Studie gibt an, ohne Partner besser zu schlafen.
In Deutschland sieht es ähnlich aus. Laut der ElitePartner-Studie 2023 schlafen 11 Prozent der Paare in getrennten Zimmern. Bei Paaren über 50 ist es bereits jedes sechste Paar. Und jeder dritte Deutsche glaubt laut einer Pronova-BKK-Umfrage: ohne Partner würde ich besser schlafen.
Historisch gesehen war das übrigens völlig normal. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1950er galten getrennte Betten als die gesündere, modernere Lösung. Ärzte in der viktorianischen Zeit warnten sogar davor, dass der schwächere Schläfer dem stärkeren die Lebensenergie entziehen könnte. Erst als Hollywood ab den 60ern das Doppelbett zum Symbol für echte Liebe machte, wurde getrennt schlafen plötzlich verdächtig.
Schlaf ist kein Kompromiss. Schlaf ist Gesundheit. Und wer nach acht Stunden ungestörtem Schlaf aufwacht, ist ein besserer Mensch — und wahrscheinlich auch ein besserer Partner.
Also ja. Getrennt schlafen. Nicht weil man den anderen nicht mag. Sondern weil man sich selbst mag.
Quellen: - American Academy of Sleep Medicine — Sleep Divorce Survey 2025 - StudyFinds — 48% Sleep Better Without Partner - ElitePartner-Studie — Schlaf in Beziehungen - Pronova BKK — Besserer Schlaf ohne Partner - Sleep Review — History of Twin Beds in Marriage - Click Americana — Did Couples Sleep in Separate Beds?
Quellen
- American Academy of Sleep Medicine (AASM), New survey data: Sleep divorce is common among couples, 2025: https://aasm.org/new-survey-data-sleep-divorce/
- American Academy of Sleep Medicine (AASM), Americans opting for 'sleep divorce' to accommodate a bed partner, 2023: https://aasm.org/americans-opting-sleep-divorce-accommodate-bed-partner/
- ElitePartner, Jedes zehnte Paar schläft in getrennten Zimmern — Schlaf in Beziehungen, 2023: https://www.elitepartner.de/studien/schlaf-in-beziehungen/
- Pronova BKK, Jeder 3. Deutsche würde ohne Partnerin besser schlafen, Pressemitteilung 2025: https://www.pronovabkk.de/unternehmen/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-2025/besserer-schlaf-ohne-partnerin-oder-partner.html
- StudyFinds, Should Separate Beds Make A Comeback? 48% Sleep Better Without Their Partner, März 2024: https://studyfinds.org/separate-beds-comeback/
- Sleep Review, The Curious History of the Rise and Fall of Twin Beds, o. D.: https://sleepreviewmag.com/sleep-health/demographics/relationship-status/twin-beds-marriage/
- Click Americana, Did married couples really sleep in separate beds in the 1950s?, o. D.: https://clickamericana.com/topics/love-marriage/did-married-couples-really-sleep-in-separate-beds-back-in-the-50s