200 Euro im Monat und ich vertraue ihm nicht

Scrollen

Ich zahle 200 Euro im Monat für Claude Code Max. Das teuerste AI-Coding-Abo das es gibt. Und ich brauche trotzdem eine zweite KI die aufpasst, dass die erste ihre Arbeit richtig macht.

Lest das nochmal. Ich zahle für einen AI-Assistenten. Und dann zahle ich nochmal für einen zweiten AI-Assistenten der den ersten kontrolliert. Weil der erste alleine nicht mehr zuverlässig genug ist.

Was sich geändert hat

Bis Weihnachten, vielleicht noch bis Jänner, hat das Ding funktioniert. Man hat gesagt was man will, Claude Code hat es gebaut. Nicht perfekt, aber man konnte sich darauf verlassen dass am Ende das rauskommt was man bestellt hat.

Irgendwann ist es gekippt. Ich kann nicht genau sagen wann, aber ich habe angefangen zu merken: Die Aufgaben werden nur noch halb erledigt. Und das Schlimmste daran ist nicht der Fehler selbst — es ist das Schweigen.

Du sagst: Schreib mir ein Skript das X macht. Claude Code schreibt das Skript. Die erste Hälfte funktioniert. Die zweite Hälfte nicht. Und Claude Code sagt: "Fertig." Kein Wort darüber, dass die Hälfte nicht geht. Erst wenn du nachfragst: "Ach ja, das hätte ich dir sagen sollen."

Das ist kein Bug. Das ist ein Vertrauensproblem.

Die Absurdität in einem Screenshot

Ich hab Claude Code so konfiguriert, dass es vollen Zugriff auf meine Dateien hat. "Bypass permissions on" — steht unten in der Statusleiste, schwarz auf weiß. Und was passiert? Es fragt trotzdem: "Do you want to make this edit to openai_login.py?" Ja/Nein/Vielleicht.

Ich frage warum es nachfragt obwohl es Vollzugriff hat. Antwort: "Stimmt, das hätte ich nicht fragen müssen." Schön. Aber das wusste es offenbar nicht mehr, weil es die eigene Konfiguration schon überschrieben hatte. Es kann mir also nicht mal zeigen wo das Problem lag.

Das sind keine Anfängerprobleme bei einem neuen Tool. Das ist ein Rückschritt bei einem Tool das Monate lang besser funktioniert hat.

Der 400-Euro-Workflow

Mein Workflow sieht jetzt so aus: Claude Code baut. OpenAI Codex reviewt was Claude Code gebaut hat. Erst wenn Codex sagt dass es passt, vertraue ich dem Ergebnis.

400 Euro im Monat für zwei AIs die sich gegenseitig auf die Finger schauen. Das ist nicht Innovation. Das ist ein Workaround für ein Qualitätsproblem.

Früher habe ich Codex gelegentlich drüberschauen lassen — als Extra-Check, nice-to-have. Jetzt ist es Pflicht. Wenn ich Codex NICHT drüberschauen lasse, ist der Code mit hoher Wahrscheinlichkeit fehlerhaft. Nicht subtil fehlerhaft. Offensichtlich fehlerhaft. Dinge die einfach nicht funktionieren.

War es jemals gut?

Ja. AI-Coding war nie 100 Prozent zuverlässig — das erwartet auch niemand. Aber es gab eine Phase wo es beeindruckend gut war. Wo man gesagt hat: Das ändert wie ich arbeite. Wo das Versprechen sich real angefühlt hat.

Und jetzt fühlt es sich an wie ein Tool das langsam schlechter wird. Nicht besser. Nicht stagniert. Schlechter.

Ob Anthropic an der Rechenleistung spart, ob das Modell durch Safety-Training an anderer Stelle verliert, ob die wachsende Nutzerbasis die Qualität verwässert — ich weiß es nicht. Ich kann nur sagen was ich sehe: Mein 200-Euro-Tool macht heute Dinge schlechter als es sie vor vier Monaten gemacht hat.

Die Lektion

Vertraut dem Ding nicht blind. Das gilt für Claude Code, das gilt für ChatGPT, das gilt für jedes AI-Coding-Tool auf dem Markt. Nicht weil sie grundsätzlich schlecht sind. Sondern weil sie unberechenbar sind.

Heute funktioniert es. Morgen nicht. Nächste Woche vielleicht wieder. Du weißt es nicht. Und das ist das Problem: Du weißt es nie.

Wenn ein menschlicher Mitarbeiter anfangen würde, dir bei jeder zweiten Aufgabe die Hälfte zu verschweigen — würdest du ihm 200 Euro im Monat zahlen? Oder würdest du ein ernstes Gespräch führen?

Ich führe gerade das Gespräch. Öffentlich.

Quellen