Wenn ich wenig schlafe

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Heute Morgen war ich niedergeschlagen und fühlte mich in meiner Haut nicht wohl; ein paar nachgeholte Stunden Schlaf später ging es mir wieder prächtig, dieselbe Person, dasselbe Leben, nur ausgeschlafen. Als ich einmal mehrere Nächte hintereinander kaum geschlafen habe, blieb es nicht bei schlechter Laune: Ich habe halluziniert, mich selbst verletzt und andere angegriffen. Bei vollständigem Schlafentzug ist dieser Verlauf erstaunlich genau dokumentiert — eine Übersichtsarbeit über 21 Studien mit 760 Teilnehmern beschreibt Wahrnehmungsstörungen, Reizbarkeit und Entfremdungsgefühle nach 24 bis 48 Stunden ohne Schlaf, komplexe Halluzinationen und Denkstörungen nach 48 bis 90 Stunden und Wahnvorstellungen ab 72 Stunden; danach ähnelt das Bild einer akuten Psychose. Dass mir dabei die Impulskontrolle wegbricht, ist kein Charakterfehler: Nach einer einzigen durchwachten Nacht machten Versuchspersonen in einer Laboraufgabe messbar mehr Fehler dabei, auf negative Reize nicht zu reagieren, und eine Meta-Analyse von 154 Studien aus fünf Jahrzehnten findet für alle drei untersuchten Formen von Schlafverlust weniger positive Gefühle und mehr Angstsymptome. Elf der 21 Studien haben die Erholung verfolgt, sieben davon berichteten von vollständiger Genesung nach ausreichend Schlaf; in anderen blieben bei einzelnen Teilnehmern Verwirrung, gedrückte Stimmung oder Wahnideen noch Tage bis Wochen bestehen, wofür die Autoren psychische Vorerkrankungen als wahrscheinliche Ursache nennen — und genau deshalb ist Schlaf bei mir keine Frage der Disziplin, sondern der Sicherheit.

Quellen